(2007)

Von Verlust und Liebe

Rückblick. „Die schönste und berührendste Musik derzeit... Leise kann sehr laut sein.“ schrieb das Magazin now! über das Son Of The Velvet Rat-Album „Playground“ und reihte es folgerichtig auf Platz 2 der herausragendsten heimischen Produktionen des Jahres 2006. Der Kurier schwärmte vom "besten Singer/Songwriter, den das Land hervorgebracht hat“, die Hamburger Morgenpost bezeichnete die Songs des Albums als "sehr einsam, sehr traurig und von immenser Schönheit."

Nur ein Jahr später haben Son Of The Velvet Rat ein Nachfolgewerk in petto. „Loss & Love“. 14 Songs voll bekannter Melancholie, Sehnsucht und Zerbrechlichkeit. Aber neue Zeiten bringen neue Geschichten und neue Emotionen. „Loss & Love“ klingt forscher, fordernder und rauher als der Vorgänger, ohne aber dessen berührende Intimität und Schlichtheit zu verlieren.

„Loss & Love - zwei Seiten einer Münze oder auch: siamesische Zwillinge, deren Trennung selten glückt. Nicht, dass die Lieder des neuen Albums darauf angelegt waren, dieses Begriffspaar zu umkreisen, es bildet dennoch die Konstante, die den Songs eingeschrieben ist. Im Rückblick sind Verlust und Liebe das, was bleibt.“ meint Georg Altziebler.

Was ebenfalls bleibt, sind Fakten, die Altziebler zwar nicht gerne an die große Glocke hängt, die aber auf jeden Fall zu erwähnen sind: Aufgenommen wurde „Loss & Love“ im 16-Ton Studio in Nashville (Tennessee) mit Ken Coomer, Ex-Drummer der US-amerikanischen Independent-Band Wilco, der als Produzent und Schlagzeuger mitwirkt. Für Aufnahme und Mix war Charlie Brocco verantwortlich, der unter anderem mit Größen wie B.B. King und den Talking Heads zusammen gearbeitet hat. Die Kombination aus Nashville, Altziebler, Coomer und Brocco ist eine hörbar gelungene: Europäisches Neo-Folk-Chanson mit einem Schuss Alternative Country.

Bemerkenswert auch die instrumentale Erweiterung: standen bei „Playground“ nur Gitarre, Bass, Mundharmonika und Stimme im Vordergrund, findet man auf „Loss & Love“ Sound-Raritäten wie zum Beispiel Optigan ( aus den 70igern, quasi der Vorgänger von klassischen Sampling Machines), Cello oder Hammond Orgel. Und zwar nicht als Referenz an die Rockgeschichte, sondern als den Songs und deren Stimmung adäquate musikalische Stilmittel.

Wer nach Einflüssen auf Georg Altzieblers aktuelles Oeuvre sucht, wird vielleicht bei eher obskuren Quellen fündig. Ein Beispiel: Fred Cole, Sänger und Songwriter der US-Garage Rock/Punk-Band Dead Moon, die sich 2006 nach 20 Jahren aufgelöst hat. Von Cole stammt „Out In The Blue“, der einzige Coversong auf „Loss & Love“.

So mancher mag sich zwar fragen, warum es bei SOTVR Usus ist, ausgerechnet in den Sommermonaten zu veröffentlichen, ist die Musik doch Garant für feuchte Augen und entrückte Herzen in tristen Wintertagen. Ein alternatives Bild sei dem entgegen gehalten: drückend schwüle Hitze zur Mittagszeit, verdorrte Rasenflächen und staubige Straßen, während man in einem knarzenden Schaukelstuhl auf der Veranda am Cumberland River, am Donaukanal oder auch hoch über den Dächern irgendeiner Stadt dieses graublauen Planeten auf den Sonnenuntergang wartet…

Einmal mehr eine berückend entrückte Vision. Und einmal mehr ein Anstoß, Georg Altziebler auf samtenen Rattenpfoten in seine Seelenlandschaft zu folgen.

Erwähnenswert sind letztendlich die “additional goodies” des Albums: drei Live-Bonustracks und das wunderbare Video der Ford Brothers zum Song “Are The Angels Pretty?”

Loss and Love, CD

€20,00Price
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